Nur ein Urlaub - oder wie Bücher entstehen.

Irgendwann im Jahre 1978 erhielt ich einen Anruf von Herrn Dr. Lotsch/Droste Verlag Düsseldorf, der mich auf ein Gespräch, 1976 in Mannheim auf den Wandelgängen des dortigen Historikertages, ansprach. Damals sagte Herr Lotsch, "Sie müssen so Geschichte schreiben, dass der Leser erfährt, wer durch die Tür hereingekommen ist und das und das gesagt hat".

Ich habe diesen Hinweis damals nicht ernst genommen, da ich, ganz verpflichtet dem Fortkommen der hehren, reinen Wissenschaft, dem Vorbild Fritz Fischers nachstrebte und an nichts anderes glaubte, als an Unbestechlichkeit, den Wert und die Aussage der reinen Wissenschaft. Jetzt, die Jahre hatten mich an die HOCHSCHULE DER BUNDESWEHR gelangen, dort den erdigen Geruch der Wirklichkeit schnuppern und die wenig wissenschaftlichen, da eher hysterischen, Ergüsse der Professoren Opitz und Müller ("Ich war in Paris 'Austern Essen' mit Herrn Bloch") kennenlernen lassen.

Jetzt sollte das Buchmanuskript eines Engländers, das Lotsch im Rahmen einer Bildbandreihe zum Jahr 1945 vor Augen stand, umgeschrieben und mit ein paar Bildern versehen werden. Ich ging auf dieses Angebot ein, schienen doch etwa DM 1.000,- als Honorar durchaus interessant. Doch als sich das Manuskript in meinen Händen entblätterte, kam heraus, dass dieses nicht druckfähig war. Wehrwölfe wurden bei Bremen kämpfend im Stil der Landser-Hefte der 60iger Jahre geschildert. Überhaupt ein Elaborat, das jeglicher Ankränkelung durch Ordnungskriterien sprachlicher oder auch nur entferntest wissenschaftlicher Art entbehrte.

Nach ermunternden Worten Lotschs ging ich dennoch an die Arbeit, eruierte den Bildnachlass eines Hamburger Photographen, ging an die Hamburger Bildstelle, Bibliotheken und Sammlungen zum II. Weltkrieg heran, befragte Zeitgenossen und schrieb schliesslich aus der Kenntnis neuerer Literatur (Gerd Gaiser, Simplicius 45) heraus ein völlig neues Manuskript. Es kam zum Vorschein, dass der Wert meiner Arbeit einen Fuerteventura-Urlaub darstellte, und, als das Buch erschien, fand sich Whiting nach wie vor als Autor und hatten sich ein Gehendkes (i.e. Lotsch) wie ein Bernd F. Schulte als Mitarbeiter eingenistet. Das Buch wird heute noch im Buchhandel verkauft. Nunmehr wohl fast im 30. Jahr. Herrn Lotsch und den Droste Verlag, die meine Dissertation handwerklich miserabel gedruckt hatten, umging ich mit künftigen Projekten.