Aktuell

Kriegerstaat - Krisenkonferenzen - Fritz Fischer (Teil 2)
Historiker Fritz Fischer in neuem Licht


»lm Juli 1914 berührte deutsche Reichspolitik Hohenfinow«, schreibt Hohenfinows Ortschronist Schünemann 2007. Die entscheidenden Wochen vor dem 1. Weltkrieg verbrachte Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg auf seinem Schloß in Hohenfinow. Der »Urlaub« war Teil des großen Bluffs. Diesmal waren es nicht mehr bloße Drohungen. Der Krieg war längst beschlossene Sache. Die Führungsriege im deutschen Kaiserreich war sich bewußt, daß die Zeit gegen eine erfolgreiche Umsetzung ihrer Aggressionsziele arbeitet. Ein Vabanque-Spiel wurde in Gang gesetzt. In seinem Buch »Deutsche Policy of Pretention - Der Abstieg eines Kriegerstaates 1871-1914«, das 2010 in z. Auflage erschien (BBP 11/2010), befaßt sich der Hamburger Historiker Dr. Bernd F Schulte mit den Vorgängen, die zum Krieg führten, und der Rolle, die u.a. Bethmann Hollweg dabei spielte. Die aktuellen Ergebnisse seiner Forschungen zum Kriegsausbruch 1914 stellte der Autor der »Barreimer Bürgerpost« zur Verfügung. Hier nun Teil 2:
 
Der Historiker Fritz Fischer, dessen Buch »Griff nach der Weltmacht« vor 50 Jahren in der BRD die sog. »Fischer-Kontroverse« auslöste war mein Lehrer. Er hat mir vermittelt, stets auf die Quellen zurückzugehen, positiv positivistisch zudenken, und neues Material der historischen Forschung, bei der Beantwortung der dieser gestellten Fragen, zur Verfügung zu stellen. Ich kam zu ihm 1972 als Batterieoffizier in einem Hamburger Artillerie-Batallion und ging 1983, im Begriff, einen Platz beim Fernsehen zu finden. Dazwischen lagen meine Dissertation und ein Buch zur Balkankrise und dem »Kriegsrat« von 1912, und zur »Verfälschung der Riezler Tagebücher« sowie - auf Fischers Seite einige Rezensionen und Vorträge, ein Aufsatzband sowie der große Auftritt 1978 vor dem Hamburger Historikertag. Ferner das daraus entstandene Buch »Bündnis der Eliten«, und die Kampfschrift »Wir sind nicht hineingeschliddert« zum Kriegsausbruch 1914 ebenfalls zur »Fälschung der Riezler Tagebücher, einer damals hart geführten Kontroverse.
 
Wir scheiterten gemeinsam in dem Bestreben, mich -trotz der angespannten Bewerbungslage in der Geschichtswissenschaft noch dort unterzubringen. Stets ging es Fischer in diesen Jahren darum, zu unterstreichen, die besondere Bedeutung von forscherischer Leistung bestehe vor allem darin, einen Beitrag zu einem größeren Ganzen zu leisten. Breitere Publizität stelle für den Historiker einen seltenen Glücksfall dar. Das hat er 1988 vor einer Versammlung von Historikern und Hamburger Würdenträgern zu seinem 80. Geburtstag vor allem betont. Mein Fernsehportrait dazu, produziert für den Hessischen Rundfunk, stellte Fischer ganz in sein Hamburger Umfeld, und vor allem unter den Einfloß der Ergebnisse des III. Reichs. Als er nämlich 1947 aus der Gefangenschaft zurückkam, hatte er mit den Traditionen des preußischdeutschen Nationalstaates grundsätzlich gebrochen (Erlebnisse in Kriegsgefangenenlagern, KZ-Dachau). Diese Zäsur vollzog er zunächst in seinem angestammten protestantischtheologischen Arbeitsfeld. Mit dieser Wende hin zum westeuropäisch-amerikanischen Kulturkreis zog sich Fischer bereits 1949 die scharfe Opposition des »Doyens« der westdeutschen Geschichtswissenschaft, Gerhard Ritter, zu.
 
Als Fischer dann 1959/61, fußend auf grundstürzenden Archivforschungen, die Kriegsziele
des kaiserlichen Deutschland, über die Hypertrophie Hitlerseher Aggressionspolitik hinaus, herausstrich, beging er an sich schon, nach der überwiegenden Auffassung von damaliger westdeutscher Historikerzunft und bundesdeutscher Gesellschaft, ein Sakrileg. Dieses Buch, das unter dem provozierenden Titel »Griff nach der Weltmacht« im November 1961 auf den Buchmarkt kam, >,beunruhigte« (Paul Sethe/DIE ZEIT) nicht zuletzt durch ein Kapitel, das die Entstehung des Ersten Weltkrieges, im Sinne der Deutschland belastenden Darstellung Luigi Albertinis (1950), entwickelte. Störten Fischers Darlegungen zu den deutschen Kriegszielen im Ersten Weltkrieg an sich schon die trügerische Ruhe, welche bundesdeutsche Historiker für das Thema » 1914« verordnet hatten, so bot dieses Kapitel eine ungeschützte Flanke, eröffnete einen neuen (alten) Kriegsschauplatz« und forderte die westdeutsche konservative, wissenschaftliche Fronde nachgerade zum Gegenstoß heraus.
 
Niemand war allerdings - aus meiner Erfahrung - weniger als Fischer zum Vorboten der sozialliberalen Koalition von 1969 geeignet. Obwohl er der liberalen Bewegung an sich schon nahe stand. Dennoch gehört sein berühmtes Buch zur Vorgeschichte des innenpolitischen Wandels in Westdeutschland, der sich im Verlauf der sechziger Jahre vollzog. Auch demonstrierten Fischers Publikationen dem Ausland, daß es nun, durchaus auch in den politischen Grundsatzfragen, ein neues Deutschland gebe. Das stärkte nicht zuletzt das Vertrauen unserer früheren Kriegsgegner in die neuerstandene Bonner Republik und begünstigte die Tendenz, die BRD in die internationale Gemeinschaft zu reintegrieren.
 
So liegen Fischers Verdienste weniger in den immer noch hart umkämpften Deutungsunterschieden und wissenschaftlichen Grabenkämpfen um die Entstehung des Weltkrieges von 1914, als vielmehr in seiner indirekten politischen Wirkung. Wissenschaftlich übergreifend hat der Hamburger Historiker zusätzlich gegen die überkommene, diplomatiegeschichtlich akzentuierte, traditionelle Auffassung den eher sozial- und wirtschaftsgeschichtlich akzentuierten Ansatz seiner Hamburger Schule gestellt. Dieser hat Frucht getragen, und mit anderen Forschern, die westdeutsche Geschichtswissenschaft insgesamt wieder auf internationales Niveau gehoben. So erscheint es überfällig, Fritz Fischer, der die Hamburger Universität auf internationalem Parkett bekannt machte, in der deutschen Wissenschafts-Republik den Platz einzuräumen, der ihm, jenseits allen kleinkarierten Streits, zukomme.

Dr. Bernd F. Schulte

Barnimer Bürgerpost,  Nr. 205,  18. Jg. Ausgabe 2/2012  7.2.2012,  S. 14




The Lions of July: Prelude to War, 1914. Contributors: William Jannen Jr. - author. Publisher: Presidio Press. Place of Publication: Novato,CA. Publication Year: 1997. S. 392

Chapter 7: Second Thoughts

1. Quoted in Jarausch, "The Illusion of Limited War", 53; -----, The Enigmatic Chancellor, 148-59; Kurt Riezler, Tagebücher-Aufsätze-Dokumente, ed. Karl Dietrich Erdmann, Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts, vol. 48 (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1972), 183. There is a controversy over Erdmann's editing of the Riezler diary, particularly the entries from 7 July through 14 August 1914,  HYPERLINK "http://www.questia.com/read/88973990" \t "_top" ibid. , 181-95, the so-called Blockblätter or Hohenfinow entries. Kurt Riezler instructed his family to destroy his diary, but the Riezler family destroyed only the prewar portion of the diary after selected sections were copied for publication. Some German scholars now argue that the 7 July through 14 August entries were revised by Riezler to hide the fact that Bethmann and the German government actively wanted a continental war in 1914, Bernd Sösemann, "Die Tagebücher Kurt Riezlers. Untersuchungen zu ihrer Echtheit und Edition", Historische Zeitschrift 236, no. 2 ( April, 1983): 327-69. Erdmann replied in the same issue, "Zur Echtheit der Tagebücher Kurt Riezlers. Eine Antikritik, ibid. , 371-402. The controversy was investigated by Bernd F. Schulte, Die Verfälschung der Riezler Tagebücher ( Frankfurt a/M; Bern; New York: Peter Lang, 1985). Schulte concludes that the entries were rewritten after the war but that he cannot discover to what extent the rewritten entries differ from the originals. Friends of Riezler's who read, or heard Riezler read from, his diary in the 1930s, remembered after World War II that the diary made Bethmann sound like he wanted war. But one witness, who had extensive conversations with Riezler, and who made memoranda of most of them, said Riezler described Bethmann as being afraid of a world war -- although he was prepared to risk it to save Austria -- and as utterly opposed to annexing more land in the event of victory, which is the portrait which comes through in the diary as published by Erdmann, and in the published German documents on the war, and which is adopted in this book. Since Bethmann's private papers and Riezler's original prewar diary entries have been lost or destroyed, the controversy has probably gone as far as it can go.



Modern Germany Reconsidered, 1870-1945. Contributors: Gordon Martel - editor. Publisher: Routledge. Place of Publication: New York. Publication Year: 1992.

21 An interim evaluation now exists by Bernd F. Schulte, Die Verfälschung der Riezler Tagebücher. Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der 50er und 60er Jahre (Frankfurt, 1985).



Forging the Collective Memory: Government and International Historians through Two World Wars. Contributors: Keith Wilson - editor. Publisher: Berghahn Books. Place of Publication: Providence, RI. Publication Year: 1996. S. 125f.

62. Ibid., pp. 559, 576. Ritter to Herzfeld, 30 October 1961; and Ritter to Epstein, 15 February 1963. On another occasion, Ritter denounced his Hamburg colleague as a 'student of the arch-Nazi Erich Seeberg and accused him of having gained his chair at Hamburg University in 1942 through the influence of Walter Frank, head of the Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands. Bernd F. Schulte, Die Verfälschung der Riezler Tagebücher: Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der 50iger und 60iger Jahre ( Frankfurt, Bern, and New York, 1985), p. 145.
Fischer's defenders are conspicuously silent on the matter of his alleged Nazi past; it is inconceivable, of course, that any scholar could have attained an important academic post in 1942 without the official sanction of the Nazi regime. See Karl-Heinz Janssen, 'Historischer Realismus', Die Zeit, 2 March 1973, p. 15. In any case, it is illuminating that an 'old-Nazi' such as Fischer should have been able to come to the position on the origins of the war that he did in Griff nach der Weltmacht, while a self-proclaimed anti-Nazi such as Ritter continued to tout the position of the patriotic self-censors from the 1920s.



Forging the Collective Memory: Government and International Historians through Two World Wars. Contributors: Keith Wilson - editor. Publisher: Berghahn Books. Place of Publication: Providence, RI. Publication Year: 1996. S. 114f.

To be sure, the vendetta conducted against Kantorowicz would not remain an isolated case. In 1932, several German historians, led by Hermann Oncken, Hermann Schumacher, and Fritz Hartung, conspired to deny the young radical scholar Eckart Kehr the Rockefeller Fellowship that Charles A. Beard had helped Kehr secure for study in the United States. 
59 And as recently as February 1964, West Germany's foreign minister, Gerhard Schröder, acting upon the recommendations of Gerhard Ritter and Karl Dietrich Erdmann, formally rescinded Goethe Institute travel funds awarded Fritz Fischer for a planned lecture tour of the United States, a tour that Ritter equated with 'a national tragedy'. Apparently, the Foreign Ministry was quite prepared once more to take on the role of patriotic self-censor. It was only through the efforts of a dozen American scholars, led by Klaus Epstein, that Fischer's visit came about.
60 Ritter not only spoke of what he decried as Fischer's penchant for 'political masochism', but poured out all his bitterness in a letter to Klaus Epstein's father, Fritz, a scholar also hounded out of German academia after 1933, by referring to Fischer as 'an old Nazi who had so quickly managed to convert to democracy' after 1945. 
61 Ritter's real grudge against Fischer was that the Hamburg historian with his Griff nach der Weltmacht had reopened the entire war-guilt issue, an issue 'that one had believed belonged to a distant past'.
62 In that one sentence to his colleague Theodor Schieder at Köln, Ritter expressed his generation's horror that perhaps the 'patriotic sef-censorship' of the Weimar Republic had not succeeded after all. It was a fitting eulogy for this unfortunate chapter of German historiography. And the passions engendered by the ' Fischer controversy' certainly parallelled those of the Kantorowicz and Kehr scandals both in substance and in acrimony. Careers both before and after the Second World War all too often hinged upon one's stance on the issue of 'war guilt'.



Aus der Kontroverse um die Riezler Tagebücher 1983/84

 

Lübecker Nachrichten, 17.07.1983

 

Hamburger Morgenpost

 

Rheinpfalz, Ludwigshafen, 24.3.1984

 

Hamburger Abendblatt, 21.02.1984

 

Neue Quellen zur Kontroverse um die Riezler Tagebücher

Einblick in die Hintergründe der verfehlten Tagebuch Edition aus dem Nachlass des Botschafters a.D. Kurt Riezler, die der Kieler Historiker K.D.Erdmann 1972 veranstaltete, geben einige Dokumente, die sich in meinem Fundus auf der Suche nach anderem fanden.

Hans W. Gatzke/Yale (1) schilderte 1984 Paul Kennedy seine Eindrücke und Informationen, die er im Verlauf der Kriegs- und Nachkriegsjahre (1939-1955) in den USA vermittelt erhielt.
Paul Kennedy stellte mir den, damals und heute, hochinteressanten Brief Gatzkes zur Verfügung und ich informierte Kennedy über die damaligen Entwicklungen (2).
Volker Berghahn (3), dem ich - trotz dessen mittlerweile äusserst konservativer Position zu 1914 - in gewisser Weise Abbitte leisten muss, äusserte sich im September 1984 durchaus angemessen (dieses Schreiben B.'s war mir bislang nicht zugänglich).
Die Münstersche Zeitung (4) brachte damals eine ziemlich vollständige Version von Hartmut Hess' Interview mit mir zur Riezler Tagebuch Affäre um Karl Erdmann.

 

1. Hans W. Gatzke, Yale University, New Haven, Connecticut 06520, Department of History to P.M.Kennedy, May 18, 1984.

Thank you for letting me see the article on the Schulte book. It doesn't say anything we didn't know, of course, but it is more coherent than Fischer's latest ro-ro-ro pamphlet. I hope that the book will be less polemical. To write about this sordid business "more in sorrow than in anger" would be more effective.

About the P.S. of Schulte's letter: I have a photostat of a letter which Schlesinger wrote to Erdmann in 1964 (and which Erdmann). never acknowledged), describing Rothfels` efforts to keep Riezler from publishing his diaries. I also have a letter from Schlesinger in 1971 stating that he told Erdmann "dass die Tagebucher nicht im Original erhalten geblieben sind", a fact which Erdmann "bestreitet."

I had no personal involvement in all this and my information comes solely from Schlesinger. I did talk to Riezler in the early 1940's about Bethmann, but I was then just a little graduate student and did not know of the existence of the diaries. Riezler painted to me the traditional picture of Bethmann as the "Philosopher of Hohenfinow."

The 'villains` in the Kriminalgeschichte ("konkret") surrounding the Riezler diaries, of course, were Rothfels and Erdmann. I never have had any contact with the latter, but knew Rothfels very well. His involvement in the attempted suppression of the Riezler material has never surprised me. His students, after all, referred to him as "Schwarz-Weiss- Rot Fels."

I don't know if you want to relay any of these comments to Schulte, but you may feel free to do so, or you can send him a copy of this letter.

 

2. Bernd F. Schulte (HSBw Hamburg, FB Pädagogik) an P. M. Kennedy (Yale University, Department of History, New Haven Connecticut), 6.6.1984.

Herzlichen Dank zunächst für Ihre beiden Zusendungen. Vor allem für die Übersendung des Gatzke-Briefes, der mich offen gesagt elektrisiert hat, danke ich Ihnen sehr. Warum werden Sie aus dem Folgenden verstehen.

Nach dem konkret-Artikel, der meine Arbeit mehr en passant mit einbezog, obwohl das Konzept von mir stammte, hat AP eine Reportage zu dem Thema RiezIer-Tagebücher veröffentlicht, die meine Äußerungen für einen Artikel in den Lübecker Nachrichten verbreitete (der jedoch von einem Erdmann-Schüler in der Redaktion der L.N. erst aufgehalten und dann abgewehrt wurde!). Dieser AP-Artikel ist in der deutschen Regional-Presse gebracht worden und hat in Hamburg (Hamburger Abendblatt / "Morgenpost") eingeschlagen.

Daraufhin hat das Fernsehen ein Interview mit mir veranstaltet und in einer 10-Minuten-Sendung im ersten Programm NDR-SFB-Radio Bremen ("Nordkette") am 27. April eine breite Öffentlichkeit gegen Erdmann hergestellt.

Sie werden wahrscheinlich nicht wissen, daß Erdmann gegen Janßen im Juli 1983 über die Gräfin Döhnhoff (Rothfels-Freundin) und Herrn Bucerius erreicht hat, daß
a) das von Janßen geplante Forum mit Erdmann, Sösemann, Fischer und mir ausblieb und er
b) statt dessen auf einer Seite in der ZEIT allein antworten konnte "Die Riezier Tagebücher sind echt", was niemand en gros bestreitet.

Aber en detail. Gegen Herrn Sösemann griff Erdmann zu dem Mittel über den Präsidenten der Universität Göttingen dem Wissenschaftler-Kollegen in ungesicherter Position zu schaden. Und nun nach meinem Fernsehinterview versucht er den gleichen Weg über den Intendanten des NDR "und andere". Er stützt sich dabei auf die Machtposition der CDU in der Struktur der betroffenen Redaktion.

Nun erwartet aber Herr Erdmann mein Buch, das angekündigt ist von mir, aber noch zurückgehalten wird, da aus Kiel eine Antwort angekündigt ist und Herr Erdmann in alle Himmelsrichtungen Assistenten jagt, die auf meinen Spuren herausbringen sollen, ob doch noch etwas übrig geblieben ist. Und das ist so. Aussagen von Zeitgenossen lassen Riezler selbst, und die Zusammenhänge, deutlicher werden. Die Reaktionen auf den konkret-Artikel waren äußerst gespalten. So verzeiht mir die Historiker-Zunft, an der Spitze Gerhard A. Ritter (München) nicht, daß ich mich an die "Journaille" gewandt hätte. Andere finden, daß ich sie (so z.B. Sösemannm in diversen Klagebriefen) nicht genügend erwähnt hätte, und so fort. [...] Herr Goetz (Rom) berichtet, daß sein Kollege aus Kiel um Einsicht in den Nachlaß Goetz gebeten habe. In München sucht eine Mitarbeiterin von Herrn Erdmann im Nachlaß Walter Riezier nach nicht vorhandenen Spuren des Tagebuchs. Sie sehen, lieber Herr Kennedy, in der Historikerschaft ist "ganz schön was los"!

Deshalb möchte ich Sie auch bitten, ob Sie von Herrn Gatzke die eine oder die andere Fotokopie, die er erwähnte, erhalten können. Die wenigen Splitter, die Herr Gatzke in seinem Brief preisgibt, zeigen allein, daß ich auf dem rechten Weg bin und bilden in dem "Puzzle" entscheidende Steine, die sich die Hand mit Äußerungen und Verhaltensweisen Erdmanns reichen, die mir offen liegen. Es erklärt sich so der rüde Umgangston, den Herr Erdmann in diesem Kampf anschlägt und auch die etwas nervöse Rundschlagsmethode, die er verfolgt.

Ich lege Ihnen einige Unterlagen bei, die Sie auf den neuesten Stand bringen und danke Ihnen für Ihre Hilfe.

 

3. Volker Berghahn (University of Warwick, Coventry CV4 7AL) an Bernd F. Schulte, 10.9.1983.

Herzlichen Dank für Ihren Artikel zu der Riezler-Kontroverse. Ich selbst schrieb seinerzeit treu einen Leserbrief. Doch der ist nicht veröffentlicht worden. Mir scheint der Gegenstoß indessen nicht erfolglos geblieben zu sein. Ich war zufällig in Deutschland als die Fernseh-Diskussion gesendet wurde, und darin kam Herr Erdmann nicht sehr gut heraus. Aber Sie wissen, in Hamburg sitzend, gewiß viel mehr und zudem das Neueste zu der Angelegenheit. Ich hoffe, dass wir uns persönlich einmal wiedersehen werden, zumal ich gar nicht weiß, was Sie im Moment machen und ob Sie ein neues Projekt begonnen haben.

 

4. Münstersche Zeitung, 21. Februar 1984.

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Nochmals zur Frage der Schuld am I. Weltkrieg
Der Kaiser sagte nur: "Blödsinn"

Da Janßen eine unmögliche Bemerkung an den Anfang seiner Ausführungn zu meinem Buch über die "Verfälschung der Riezler-Tagebücher" setzt, die mir erst heute (2009) bekannt wird, ergeben sich doch einige Richtigstellungen, die unverzichtbar sind.

Janßen war äußerst sensibel, weil er und Fischer in der Enleitung zu dem hier besprochenen Buch als "Verbündete" offengelegt wurden. Dass aber beide, in dem Wissen um meine Forschungen aus dem Nachlaß Gerhard Ritters im Bundesarchiv (scho 1978), sich in die Diskussion um Sösemann, Riezler-Tagebuch und Erdmann eingeschaltet hatten (Fischer zeigte Janßen Auszüge aus meinem Material), war diese Richtigstellung in Einleitung und Text von "Die Verfälschung des Riezler Tagebuchs" unverzichtbar.

Dies auch deshalb, weil so deutlich wurde, dass Fischer "über meinen Kopf hinweg" versucht hatte, sich an der Diskussion um die Tagebücher zu beteiligen. Hatte er doch schon beim "Bündnis de Eliten" (1978/80) meine Mitarbeit verschwiegen, so folgte er erneut bei seinem rororo-Band ("Streitschrift") demselbem Verhaltensmuster. Ich brachte meine Kenntnisse und Mitarbeit ein, um dann zu erfahren, ich könne nur noch "Versicherungsvertreter" werden.

Auch eine Teilnahme an der Diskussion mit Erdmann und Sösemann hintertrieb er mit Erfolg (ich hatte ihn über den NDR dort mit hereingebracht). So kam es zu meinem Lesebrief in der ZEIT, der offenlegte, wer sich im Besitz der Kenntnisse und Dokumete befand. Das ich in dem Band "Die Verfälschung der Riezler Tagebücher" die Verhältnisse, das Kräftespiel hinter den Kulissen um Helmuth Schmidt und Marion Döhnhoff etc. - gegen Janßen - offenlegte, war gewiß etwas zweischneidig für Janßen, sollte jedoch im Kern ein Dienst an der Öffentlichkeit sein, die aufgeklärt werden sollte, wie historisch-politische Meinung "gemacht" wurde und wird.

Umso mehr überrascht mich heute die pikierte Reaktion Janßens, der 1985 - mit dieser Rezension - zeigt, dass er mich nicht verstand (nicht verstehen dürfte). Eigentlich werden damit nur die hier gerade erläuterten Kreuz- und Querverbindungen in der Affaire um die Riezler Tagebücher bestätigt.

Bernd F.Schulte

 

 

Karl-Heinz Janßen | © DIE ZEIT, 04.10.1985 Nr. 41
Während die anderen von der Notwendigkeit sprachen, den Krieg ZU verhüten . . . /
Von Karl-Heinz Janßen

Genau hundertundfünfzig Kriege von 1789 bis heute hat der Zürcher Politikwissenschaftler Dieter Ruloff untersucht, um herauszufinden, wie in der Neuzeit Kriege entstehen und beginnen. Das Umschlagbild des vortrefflichen Leitfadens, Dieter Ruloff: Wie Kriege beginnen; Verlag C. H. Beck, München 1985; 158 S.; 17,80 DM der den Blick für die Gefahren der Gegenwart schärft, zeigt das Attentat von Sarajewo vom 28. Juni 1914, den mittelbaren Anlaß des Ersten Weltkrieges. Mit gutem Grund: Wie 1914 könnte, so eine unter Gelehrten und Politikern verbreitete Meinung, ein Dritter Weltkrieg anfangen - mit einem regionalen Konflikt in der Dritten Welt, in den dann, vielleicht wider Willen, die Großmächte hineingezogen werden.

Wider Willen? Da sind wir schon bei dem Thema, das seit mehr als siebzig Jahren die deutschen Historiker umtreibt. Geht der große Orlog 1914/18 auf unser Schuldkönto? Eine einflußreiche revisionistische Gruppe, angeführt von den emeritierten Professoren Egmont Zechlin, Kriegsversehrter des Ersten Weltkrieges, und Karl Dietrich Erdmann, Offizier des Zweiten Weltkrieges, möchte das Rad der Forschungsgeschichte auf den Stand der fünfziger Jahre zurückdrehen. Damals trösteten sich viele geschichtsbewußte Deutsche mit der scheinbaren Gewißheit, daß wir zwar unleugbar den zweiten, aber nicht den ersten Krieg auf dem Gewissen hätten. 1914 seien die anderen mindestens genauso schuld gewesen, ja eigentlich habe erst die „leichtfertige russische Mobilmachung" (so noch dieser Tage zu lesen!) den Stein ins Rollen gebracht. Die Revisionisten suchen heute wieder nach übernationalen Ursachen, als da sind: die Starrheit antagonistischer Machtblöcke, welche Bündnissicherung wichtiger werden ließ als Friedenssicherung; den Automatismus der Mobilmachungen; den verhängnisvollen Druck der öffentlichen Meinung, die fatalistische Erwartung des Völkermordens; den Zeitgeist, dem Krieg noch eine geläufige Alternative zum Frieden war.

Damit wäre alles wieder zum Besten bestellt - für den Zweiten Weltkrieg haben wir die Weizsäcker-Rede, für den ersten das viel bemühte Wort Lloyd Georges, daß alle Staaten hineingeschlittert seien. Das Muster dieser Geschichtsrevision ist für den Laien, der Akten und Abhandlungen nicht kennt, nur schwer zu durchschauen: Da wird die deutsche /4//e»«schuld am Ersten Weltkrieg kategorisch bestritten (die niemand behauptet hat, denn die -Österreicher sind -nichts weniger schuldig); da erklärt man den Zwang zum großen Krieg universalhistorisch und unterschlägt den „kleinen" Krieg gegen Serbien; über all dem verschwindet die deutsche Hauptschuld (ohne unsere Rückendeckung hätten die Österreicher niemals losgeschlagen) bis zur Unkenntlichkeit.

Mit dem Segen des Kieler Kultusministeriums und einem Vorwort von Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg, der von Haus aus Historiker ist, erschien zum 8. Mai eine Broschüre: Karl Dietrich Erdmann/Egmont Zechlin: Politik und Geschichte. Europa 1914 - Krieg oder Frieden; Kiel 1985; 104 S.; kostenlos zu beziehen über die Landeszentrale für Politische Bildung. Da bekräftigen Erdmann und Zechlin abermals ihre Thesen, daß Deutschland nicht wegen hegemonialer oder sozialimperialistischer Ziele („Flucht nach vorn" zur Ablenkung von inneren Krisen) Rußland und Frankreich den Krieg erklärt und das neutrale Belgien unter Bruch des Völkerrechts überfallen hat, sondern einzig zum Zwecke der „Selbstbehauptung durch präventive Abwehr". Erdmann ist sich ganz sicher: Das Deutsche Reich habe es nicht auf die Entfesselung eines europäischen Krieges angelegt.

Zechlin sekundiert ihm: Die Reichsleitung habe zwar unter dem cauchemar des coalitions, dem Alptraum der Bündnisse, den Weltkrieg riskiert, aber nicht gewollt, sondern lediglich durch eine politische Offensive darauf angelegt, „eine internationale Ausweitung der serbisch-österreichischen Krise und damit den Zusammenstoß der beiden Mächtegruppen, zu vermeiden. Das Ziel war, mit dem Einsatz des Machtgewichts des Deutschen Reichs die drohende Entwicklung der Tripleentente zu einem militärischen Allianzsystem zu verhindern und das Kräfteverhältnis im europäischen Staatensystem zu regulieren". Welch ein Euphemismus: „regulieren" - nämlich durch Massakrieren eines kleinen Staates („Serbien muß sterbien" lautete die Stammtischparole).

Man muß wohl den durch keine historischen Katastrophen getrübten Blick und die politische Vernunft eines Schweizers haben, um die Dinge zu sehen, wie sie wirklich waren. Der Basler Dozent Publizist Adolf Gasser hat - noch kurz vor seinem Tod - drei seiner Studien zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammengefaßt: Adolf Gasser: Preußischer Militärgeist und Kriegsentfesselung 1914; Verlag Helbing & Lichtenhahn; Basel 1985; 138 S.; 28,- DM. Sie alle laufen auf dieselbe Erkenntnis zu: Deutschland beging 1914 „höchst freventlich" einen „eklatanten Erpresserakt", um die (nur lose zusammenhängende) russisch-französisch-britische Abwehrkoalition „so oder so zu sprengen: wenn es nicht »friedlich* (durch ihre Selbstauflösung aus Kriegsangst) gelang, so eben mit Waffengewalt". Und: Wer heute noch den „deutschen Überfallskrieg von 1914" als Defensivaktion abstempele, bezeuge, wes Geistes Kind er selber geblieben sei, nämlich „ein Produkt und Relikt der Ära des Vulgärpreußentums". Vorangestellt hat ( Gasser seinen Studien ein Wort August Bebeis - „Preußen ist ein fürchterlicher Staat" -, und gewidmet hat er sie „der neuherangewachsenen jeder selbstzerstörerischen Machtpsychose entledigten Volksmehrheit Deutschlands".

Reichlich Belege für seine These von der deutschen Selbstüberheblichkeit und Vermessenheit, es mit drei Weltmächten gleichzeitig aufzunehmen, fand Gasser in den von Bernd Sösmann veröffentlichten Tagebüchern des Berliner Journalisten Theodor Wolff. Unglaublich, mit welchem Leichtsinn die Diplomaten des Auswärtigen Amtes in die Krise hineingingen: Die Lage sei günstig, da die anderen keinen Krieg wollten, und wenn es denn sein müsse, dann besser jetzt als in zwei Jahren; in Rußland werde eh Revolution ausbrechen, und die französische Armee sei in desolater Verfassung. Hinter solchen Aussagen stand ein blindes Vertrauen auf die Prognosen des Großen Generalstabes und der Glaube an die Unbesiegbarkeit der deutschen Armee, ein Glaube, der sich nach der Niederlage von 1918 in die Dolchstoßlegende rettete.

Wie schwer es nach dem Zweiten Weltkrieg war, gegen die geballte Macht nationalkonservativer Ordinarien neue, für das ohnehin angeschlagene Selbstbewußtsein des Volkes niederschmetternde Erkenntnisse über den deutschen Größenwahn zu Kaisers Zeiten überhaupt an die Öffentlichkeit zu bringen, sei es das herausfordernde Buch Fritz Fischers („Griff nach der Weltmacht"), sei es das entlarvende .Tagebuch des Kanzlergehtlfen Kurt Riezler —' davon handelt das Buch eines jüngeren Zeithistorikers: Bernd F. Schulte: Die Verfälschung der Riezler-Tagebücher; Verlag Peter Lang, Bern 1985; 244 S.; 43,- Sfr. Schulte setzt den Streit fort, der sich an einer Quellenkritik Bernd Sösemanns zur Erdmann'- schen Edition der Riezler-Tagebücher und einem Z£/r-Dossier (Nr. 24 vom 10. 6. 1983) entzündet hatte. Leider zählt der Autor zu den Menschen, die in ihrer Empfindlichkeit und Verletztheit selber in eine „Haut-den-Lukas"-Manier verfallen und zu vorschnellen Schlußfolgerungen neigen, die nichts als peinlich wirken (zum Beispiel, was die Zf/T-Redaktion angeht). Doch wäre es schade, wenn der Leser darüber den Nutzen dieses Buches verkennen würde. Denn erstens hat Schulte die Diskussion über die Echtheit der sogenannten Blockblätter - der Riezlerschen Notizen aus der Julikrise 1914 - um einif; Denkanstöße bereichert. Schulte fand neue Inizien dafür> daß Riezler seine Aufzeichnungen aus den entscheidenden Tagen vor Kriegsbegmi später neu komponiert hat, womöglich auch mit Notizen aus früheren, inzwischen vernichteten Tagebüchern, dies alles, um das Motiv der Reichsleitung für die Kriegsentfesslung so, wie er es sehen wollte, herauszuarbeiten: als Entschluß zum Präventivkrieg aus fataler, ausweglos erscheinender Lage. Daß mit den Blockblättern - trotz Erdmanns Beteuerungen - etwas nicht stimmen -kann, belegt eine Entdeckung Schultes: Riezler verlegte ein Gespräch des Reichskanzlers von Bethmanr. Hollweg, von dem er, nach seiner eigenen Erzählung, erst am 25. Juli erfuhr, in den Blockblätterr auf den 7. Juli.
Zweitens hat Schulte beinahe hundert Brief« deutscher Ordinarien im Dokumentenanhang abgedruckt; ein geradezu spannender, manchmal voyeuristischer Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte in den fünfziger und sechziger Jahren. Aus vermeintlich patriotischer Gesinnung bekämpfte die konservative Historikerzunft die unerwünschten Enthüllungen Fritz Fischers über Kriegsschuld und Weltmachtstreben der Deutschen; seine Thesen seien (so Gerhard Ritter) „eine schwere Belastung der deutschen Vergangenheit vor dem internationalen Publikum". Beispielhaft für die Gesinnung der Fischer-Gegner ist jenes Briefzitat eines hochangesehenen Archivars, mit einer neuen Kriegsschuldthese würde man „auch den kalten dritten Weltkrieg verlieren"![...]

 

 

ERDMANN MUSS „STELLUNG BEZIEHEN“.

Adolf Gasser: Preußischer Militärgeist und Kriegsentfesselung 1914. Drei Studien zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 133 S., Helbing. & Lichtenhahn, Basel-Frankfurt/M. 1985, 28,- DM. Karl Dietrich Erdmann/Egmont Zechlin: Politik und Geschichte. Europa 7914. Krieg oder Frieden. (Schriftenreihe Gegenwartsfragen, 48.) 104 S., Schmidt & Klaunig, Kiel 1985, 9,50 DM. Bernd F. Schulte: Die Verfälschung der Riezler Tagebücher. Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der 50iger und 60iger Jahre. (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 226.) 244 S., Peter Lang, Frankfurt/M.-Bern 1985, Lw. 43,­sFr.

Die Kontroverse um den Anteil der deutschen Reichsleitung an der Verantwortung für die Auslösung des Ersten Weltkrieges 1914 befindet sich seit einigen Jahren in einer Art Stellungskrieg. Der These Fritz Fischers (sowie seiner Schüler und Freunde) steht die Position K. D. Erdmanns, E. Zechlins (u. a., einschließlich des Rezensenten) gegenüber. Sie wurde wesentlich gestützt durch die Notizen RiezIers aus der Julikrise 1914. Gelänge es - um im Bilde des Stellungskrieges zu bleiben -, die Bastion der Riezler-Notizen aus jenen Wochen als nicht authentisch zu erweisen und damit zum Einsturz zu bringen, schiene ein Triumph Fischers (und seiner Schule) in den Bereich des Möglichen gerückt.

Obwohl Bernd Sösemanns quellenkritische Anmerkungen zu den Eintragungen Riezlers und - damit verbunden - Fragen der Vorgeschichte der Edition der Riezler-Aufzeichnungen durch Erdmann von Agnes Blänsdorf in GWU 1984 (Heft 10) sorgfältig behandelt und weitestgehend geklärt wurden, unternimmt es B. F. Schulte in seinem o. a. Buch erneut, und zwar in ungewöhnlich massiver Form unter Auswertung von Briefen an der Kontroverse beteiligter Historiker, die Korrektheit Erdmanns im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Riezler-Papiere in Frage zu stellen. Darauf müßte der Angegriffene in sehr gründlicher und keinen Vorwurf im Raume stehen lassender Weise Stellung .beziehen. Die Art und Weise des Vorgehens Schultes so viel kann schon hier gesagt werden - erweckt nicht den Eindruck seriösen, unvoreingenommenen Argumentierens.

Die Bücher bzw. Broschüren von Gasser und Erdmann/Zechlin enthalten die bekannten Positionen. Gasser publiziert erneut seine Aufsätze von 1968, 1973 und 1983 zum Kriegsbeginn 1914 mit scharfer Verurteilung des „preußischen Militärgeistes". Erdmann nimmt zu der Frage „Hat Deutschland auch den Ersten Weltkrieg entfesselt?" unter Darlegung seines Standpunktes in der Fischer-Kontroverse Stellung, und Zechlin analysiert Julikrise und Kriegsausbruch 1914 im Anschluß an seine früheren einschlägigen Untersuchungen.

Andreas Hillgruber

Das Historisch-Politische Buch. Ein Wegweiser durch das Schrifttum, Musterschmidt Verlag, Göttingen-Zürich, XXXIII/9 1985, S. 289.