Wie aus Geschichte Gegenwart entsteht.

Selten ist auf dem deutschen Buchmarkt ein historisches Werk erschienen, das so anschaulich die Mechanismen aufzeigt, wie Geschichte eigentlich entsteht. Aus Quellen, denn manchmal ist es nur das Vorhandensein oder Fehlen einer Einzelheit - z.B. der Tagebuchaufzeichnungen des Assistenten von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg aus dem Juni/Juli 1914 -, das in der späteren Diskussion den Unterschied macht.

Autor Bernd F. Schulte spannt den Bogen von den Ereignissen um diese so genannten "Riezler-Tagebücher" weiter - hin zu Kontinuitätslinien deutscher Außenpolitik von 1900 bis 2003. Es geht ihm nicht um historische Verklärung, sondern um das Bewusstsein von der expansiven deutschen Politik seit dem Kaiserreich. Er wendet sich der rationalen Grundlage internationaler Beziehungen zu und durchleuchtet die strategische Vorbereitung des Ersten Weltkrieges, gelangt zu Vorüberlegungen vergleichbarer Art in unserer Zeit (Kuwait- und Irakkrieg) und wird von namhaften Historikern wie W. Wette/Freiburg, J. Moses/Brisbane und H. Otto/Potsdam durch Beiträge unterstützt. So wird Einblick in die Hintergründe heutiger deutscher Außenpolitik geboten und womöglich die Betrachtung der aktuellen Tagesnachrichten künftig zum Aha-Erlebnis.

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Dr. Bernd F. Schulte

Antikritik: Große und kleine Nazis

Auf Schultes Buch hin entfesselten WELT, FAZ und ZEIT im Januar 2004 eine Kampagne gegen den Hamburger Historiker Fritz Fischer. Sch. stellte nämlich die NS-Vergangenheit der GEGNER Fischers, in der Historikerdebatte der 60iger bis 80iger Jahre, in den Mittelpunkt seines Buches "WELTMACHT DURCH DIE HINTERTÜR".

Fritz Fischers Kritik am deutschen Protestantismus, die im Januar 2004 einem größeren Kreis von politisch Interessierten zugänglich gemacht wurde, wird zu einer Abwertung des Historikers Fischer missbraucht. Der bekannte Hamburger Historiker, der Ende 1999, im Alter von über 90 Jahren verstarb, war, in seinem bislang bekannten wissenschaftlichen Leben, sogar zu 90 Prozent mit anderen Fragen beschäftigt, als mit jenen, aus seiner frühen Phase stammenden Arbeiten um den preußisch deutschen Protestantismus und dessen politischer Bedeutung.

Weshalb dieser Teilbereich Anfang des neuen Jahrtausends in die Aufmerksamkeit der bundesdeutschen Öffentlichkeit gehoben wird, erscheint rätselhaft. Erst durch die Verbindung dieser theologisch bestimmten frühen Phase Fischerscher wissenschaftlicher Betätigung, mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der dreißiger Jahre, werden die zugrundeliegenden Absichten offenbar. Es geht, unter Verquickung fachtheologischer Diskussion innerhalb der evangelischen Kirche Deutschlands, mit etwaigen nationalsozialistischen Tendenzen Fischers, um die Kompromittierung eines ertragreichen Forscherlebens.

Dabei ist von besonderem Interesse, dass der Hamburger Historiker in den dreißiger Jahren als junger Wissenschaftler, keinesfalls zur etablierten Crême der deutschen Historikerschaft zählte. In den zwanziger Jahren, aus fränkisch-süddeutschem Kleinbürgertum, über Abitur und erste Schritte an der Universität, zu wissenschaftlicher Förderung durch den Staat von Weimar gelangt, konnte sich Fritz Fischer nichts weniger leisten, als sich auszusuchen, wie er seine Karriere aufbaue. So gelangte er zunächst in die protestantisch-theologische Fakultät, dissertierte dort erfolgreich über Ludwig Nikkolovius und gelangte, über eine weitere theologiegeschichtliche Untersuchung, zu Moritz August von Bethmann Hollweg, seinem wahren Interesse - der Geschichtswissenschaft. Dass sich dieser Weg auf Grund der familiären finanziellen Verhältnisse nicht ohne die materielle Unterstützung des Staates bewerkstelligen ließ, war nichts weniger als zwingend. Allerdings war Fischer, durch diese Gegebenheiten, in voller Breite den Einflüssen seiner Förderer, d.h. seiner wissenschaftlichen Lehrer, ausgeliefert. Dass ein junger Forscher, auf Grund der gegebenen materiellen Verhältnisse, und vor allem dem politischen Hintergrund seit 1918, nicht im luftleeren Raum existieren konnte, liegt auf der Hand.

Fischer hat aus dieser Situation nach 1945 kein Geheimnis gemacht. Noch 1988, anlässlich der Arbeiten für ein Fernsehportrait zu seinem 80. Geburtstag, gab er dem Verfasser eine Erklärung, wie er, vor dem Krieg, zur Unterstützung durch das Institut von Walter Frank zur Erforschung der Geschichte des Nationalsozialismus gekommen sei. Ein Kommilitone habe ihm in der Berliner Staatsbibliothek, anlässlich eines Gespräches über Wissenschaftsförderung, den Rat gegeben, doch einmal bei Frank anzufragen, da die Unterstützung durch die bisherigen Geldgeber (DFG) außerordentlich gering ausfiel. Ausschließlich die Höhe der Unterstützung - es handelte sich um monatliche Beträge um durchschnittlich 100 RM - brachten Fischer, nach dessen eigener Aussage, zu dieser Verbindung mit dem Frank'schen Institut. Dass sein Stipendium, verbunden mit einem Forschungs-Projekt zum preußisch-protestantischen Pietismus, infolge des Krieges, nicht zur Ausführung kam, erscheint kennzeichnend für die gesamte hier behandelte Problematik.

Fischer machte den Krieg - zuletzt als Offizier der Flakartillerie - im westlichen Reichsgebiet mit. Er geriet in Kriegsgefangenschaft, aus welcher er 1947 zurückkehrte. Noch während des Krieges hatte er, unter anderem durch Walter Frank unterstützt, einen Ruf auf einen der historischen Lehrstühle an der Hamburger Universität erhalten. Dass dies so war, sei nicht zuletzt in der Tatsache begründet gewesen, so berichtete der Hamburger Gelehrte ebenfalls 1988, dass die damals vorgesehenen Bewerber gefallen seien. So gelangte er 1947 auf jene Professur, die er bis zu seiner Emeritierung, infolge Krankheit 1973, innehatte und welcher er zu Weltruf verhalf.- Übrigens wurde Theodor Schieder, der durch NS-Mitgliedschaft, und Verquickung mit dem System, nach 1945 zunächst kompromittiert war - und damit für Berufungen nicht in Frage kam - durch den ebenfalls umstrittenen Hermann Aubin (und Gerhard Ritter) für einen Moment in Verbindung mit dem Hamburger Lehrstuhl gebracht. Schieder musste sich jedoch, enttäuscht durch Fischers Wiederauftauchen, zurückziehen.

In den ersten Nachkriegsjahren orientierte Fischer sich wissenschaftlich neu, bezog die während des Zweiten Weltkrieges gewonnenen, und durch das persönliche Schicksal akzentuierten, politisch-historischen Verwerfungen ein, und entwarf, auf der Basis seiner früheren Forschungen, seinen berühmten Vortrag auf dem Münchner Historiker Tag von 1949. Wie nah ihm eben diese Thematik, die Bedeutung der protestantischen Theologie im Rahmen der jüngeren und jüngsten preußisch-deutschen Geschichte, blieb, zeigte sein Plan, nach der Emeritierung 1973, von der Geschichte des Ersten Weltkrieges - und der Diskussion um dessen Ursprünge - völlig Abstand zu nehmen und sich seinen früheren Forschungen erneut zuzuwenden. Dass dies den Verfasser, der just in dem Weltkriegs-Themenfeld seine wissenschaftliche Karriere suchte, außerordentlich verwirrte, mag bestätigen, wie ernst diese Überlegungen dem Hamburger Forscher tatsächlich waren. Um so mehr erscheint bedeutsam, dass Fischers Kernthese aus dessen Vortrag zum deutschen Protestantismus, und zur deutschen Geschichte, 1949 bereits tiefe Gräben zur EKD und deren Mitglied, dem Freiburger Historiker Gerhard Ritter, aufriss. Dass die wissenschaftliche Feindschaft, die um die Bewertung der Verantwortung an Ausbruch und Auswirkungen des Ersten Weltkrieges zwischen Ritter und Fischer zehn Jahre darauf offenbar wurde, hier in München ihren Anfang nahm, und in der nationalkonservativen Orientierung Gerhard Ritters wie der antinational-westlichen Basierung Fritz Fischers begründet war, gewinnt erst heute Kontur.

Letztlich stellte Fischer, der diesen Aspekt in der Folge immer wieder schriftlich und mündlich betonte, die Verantwortung der protestantischen Staatskirche in Deutschland für den Ersten Weltkrieg am Beispiel der bereits seit 1911 anlaufenden und breit ausgreifenden Propagandawelle, für den Krieg als politischem Weg, publiziert in protestantisch-kirchlichen Zeitschriften, Flugschriften und Zeitungen, heraus. Die Vorgänge von München, und später in Fischers Veröffentlichungen, begründen den heutigen, vordergründig unmotiviert scheinenden, und damit vorgeblich parteilich unbelasteten, Angriff auf Fischers persönlich-menschlichen und wissenschaftlichen Leumund, der aus Historiker- und Theologenkreisen um die Universität Potsdam vorgetragen wird. Dass ein derartiges Vorgehen bereits von Gerhard Ritter, im Zuge der berühmten Kontroverse um die "Kriegsziele des kaiserlichen Deutschland", 1962 - hinter vorgehaltener Hand - und vornehmlich gegenüber ausländischen Historikern - als Kampfmittel in der "Fischer-Kontroverse" eingesetzt wurde, charakterisiert Methode, Verfahren und charakterliche Disposition dieser nationalkonservativ orientierten Kräfte. Damals wie heute ehrabschneiderisch motivierte Verdächtigungen, wie jene von Fischers Gefolgschaft des alldeutschen Kirchenhistorikers Erich Seeberg, oder die eines zu engen Verhältnisses zum Reichsinstitut Franks, erscheinen in diesen Tagen erneut als Kern völlig überzogener Angriffe auf den verdienstvollen Hamburger Gelehrten.

Dass sich "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Welt" und der Zechlinschüler Volker Ullrich bei der "Zeit", in quasi einer "konzertierten Aktion", des entlegen publizierten, und in der "Gartenlaube" einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift versteckten, Beitrages des jungen protestantischen Theologiehistorikers Große-Kracht annehmen, und dies obendrein in breit angelegten Artikeln bereitwillig ausmalen, ist, angesichts des bislang üblichen Umganges in den bundesdeutschen Medien, völlig ungewöhnlich und damit schon als Phänomen, und an sich bedeutsam. Dass diesen Zeitungen, zumindest der "Welt" (Herr Möller) und der FAZ, seit Herbst 2003 das Buch des Verfassers ("Weltmacht durch die Hintertür") vorliegt, mag zunächst nicht bedeutsam erscheinen. Da jedoch der zentrale Aufsatz dieses Buches, in deutscher und englischer Sprache ("Blick in ein Schwarzes Loch" und "Beware of the Wolves"), die Frage thematisiert, was die Äußerungen Gerhard Ritters über Fritz Fischers NS-Vergangenheit von 1962, im Umkehrschluss für die Historiker-Gegner Fischers im Dritten Reich nahe legen, erscheint die Kampagne dieser überregionalen Zeitungen gegen Fischer zusätzlich als Gegenangriff auf den quellenmäßig breit abgesicherten Vorwurf des Verfassers gegen Gerhard Ritter, Theodor Schieder, Werner Conze, Hermann Aubin, Egmont Zechlin, Hans Herzfeld, Karl Erdmann, Erwin Hölzle, Wolfgang Serpahim und Giselher Wirsing.

Ergänzt um eine weitere Publikation, nämlich die Titelgeschichte des nationalliberalen Spiegel, vom 16. Februar 2004 ("1914-1945. Der zweite Dreißigjährige Krieg"), gerät die Kontroverse um Fritz Fischer nachgerade zur Farce. Eröffnet durch eine mittelmäßige Einführung, die, zu großen Teilen, auf dem Forschungsstand der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts basiert, wendet sich der Spiegel, ohne auf Fritz Fischer detaillierter zu verweisen, dem, besonders in angelsächsischen Ländern, gern beschworenen, und publikumswirksamen, Bild von der "Urkatastrophe" des Ersten Weltkrieges zu (vgl. Anhang 2). Diese Aufgabe übernimmt der bekannte Bielefelder Historiker Hans-Ullrich Wehler (Schüler Theodor Schieders), der in einem mehrseitigen Parforceritt vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg, jenen Bogen schlägt, und jene Kontinuität behauptet, für die Fritz Fischer, bis zu seinem Tode, immer wieder geschmäht wurde. Es sei hier ausdrücklich verwiesen auf die Rezension des Ritter Adepten Ernst Schulin von 1981 (MGM/1/81, S.166) zu Fischers "Bündnis der Eliten. Zur Kontinuität der Machtstrukturen in Deutschland 1871-1945, Düsseldorf 1979". Schulin kam nicht umhin, gegenüber des Hamburger Historikers nachgerade modernem strukturgeschichlichen Denken, auf die traditional diplomatiegeschichtlich und kriegsgeschichtlich fundierte konkurrierende Darstellung Andreas Hillgrubers zu verweisen.

Bezieht Wehlers "Bogen-Darstellung " ihren Rang ganz aus der detaillierten Ausführung des Fischerschen Kontinuitätsgedankens, so fällt das Interview mit dem Wilhelm II-Spezialisten John Röhl/Brighton demgegenüber völlig ab. Ist doch selbst Wolfgang Mommsen (Schüler Theodor Schieders) inzwischen klar geworden, dass die Phase wissenschaftlicher Periodisierung, nach einem "Zeitalter des Wilhelminismus", oder gar Wilhelms II., völlig überholt ist, so verharrt Röhl auf seinem problematischen biographischen Ansatz. Ob es die Forschung so sehr viel weiter bringt, wie viele uneheliche Kinder Wilhelm II. hatte, oder mit wie vielen Frauen der Kaiser gleichzeitig ins Bett ging, um nun zu sagen, der Kaiser sei - trotz Eulenburg u.ä. - nicht homosexuell gewesen, mag heute, wie schon 1986 ("Kaiser Hof und Staat", meine Rezension im NDR-Rundfunk), dahingestellt bleiben. Nichts erfahren wir über die Stringenz der militärischen und politischen Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg. Nichts erfahren wir über die zielgerichtete Methodik Bethmann Hollwegscher Politik um den Kaiser herum, und schließlich setzt Röhl, in völliger Abkehr von Fritz Fischer, ein Fragezeichen hinter die von ihm angerührte (und von Fischer und dem Verfasser übernommene) Frage nach den Auswirkungen des "Kriegsrates" vom 8. Dezember 1912 auf Planung und Auslösung des Ersten Weltkrieges. So entsteht ein eher anekdotenhaft irreales Bild deutscher Politik und eines Kaisers, der ganz unter das Kautel überbordenden Antisemitismus gezwungen wird.

Dass all' diesen Versuchen, deutsche Geschichte um die Leistungen Fritz Fischers herum darzustellen, ein wesentliches Element gemeinsam ist, nämlich jenes einer handwerklich wenig sauberen Arbeit und Argumentation, mag in unseren Zeiten gesamtgesellschaftlicher Dekadenz nicht weiter überraschen. Dass aber Fritz Fischer, der in den dreißiger Jahren mit geringen Beiträgen aus der Reichskasse - und nicht ausschließlich von den Nationalsozialisten - unterstützt wurde, den Krieg als Soldat erlebte, ist zu unterstreichen, und demgegenüber zu betonen, dass andere hochdotiert, und breit gefördert, ihren wissenschaftlichen Werdegang vollenden konnten (vgl. Anhang 1). Nicht zuletzt soll darauf hingewiesen werden, dass der international anerkannte und geehrte Hamburger Historiker, als akademischer Lehrer, über einhundert Doktoranden zu Arbeiten anregte, die insbesondere den Übergang vom Kaiserreich in die Weimarer Republik, und deren Aufgehen im Dritten Reich, zum Gegenstand hatten. Das "erste Buch", der "Griff nach der Weltmacht", und der zweite Band "Krieg der Illusionen", sollten, so Fischers Planung, münden in das sogenannte "Dritte Buch", das - wie "Bündnis der Eliten" und zwei weitere Paperbacks offen ließen - vor allem die ökonomisch-wirtschaftliche Seite des aufziehenden nationalsozialistischen Staates beleuchten sollte. Trotz dieses nicht abgeschlossen dritten Bandes über die deutsche Politik zwischen 1918 und 1945 und der damit letztlich ausstehenden Antwort Fischers auf die Frage nach der Kontinuität in der deutschen Geschichte, die er bereits 1961, zur großen Beunruhigung seiner Gegner, anklingen ließ, bewirkte der Hamburger Hochschullehrer weitreichende und fortdauernde Entwicklungen der in- und ausländischen Geschichtswissenschaft. Dies zumindest hat bislang noch niemand zu bekritteln gewagt.




Il s’agit d’un ouvrage de combat, très agressif contre « l’historiographie officieuse ».

Revue historique 2005/1 (n° 633)
240 pages

Bernd F. Schulte, Weltmacht durch die Hintertür. Deutsche Nationalgeschichte in der Diskussion, Hamburg, Dr Schulte (Hamburger Studien zur Geschichte und Zeitgeschehen), 2003, 511 p.

L’auteur de ce livre très personnel, riche en contenu et provocant de ton, a enseigné à l’École de la Bundeswehr, puis produit des films et des émissions de télévision. Il a été l’élève du professeur de Hambourg Fritz Fischer, dont les ouvrages sur les buts de guerre allemands en 1914, Griff nach der Weltmacht et Krieg der Illusionen, ont suscité il
y a quarante ans une âpre « Querelle des historiens », avant celle des années 1980 sur les origines du national-socialisme. Dans cette revue (RH, 228, 1962 et 245, 1971), le plus grand expert français, Pierre Renouvin, salua « une œuvre sincère, souvent pénétrante », appuyée sur des documents, tout en marquant quelques réserves sur son esprit de système. Jacques Droz dressa aussi un précieux bilan de la controverse (Les causes de la Première Guerre mondiale. Essai d’historiographie, Paris, Le Seuil, 1973). Aujourd’hui, tout en ayant pris quelques distances envers son maître, Bernd Schulte ranime la controverse, en regroupant des textes divers, issus en général de sa plume.

La démarche est souvent déconcertante. Un même développement est donné deux fois, en allemand puis en anglais (avec des compléments), et certaines affirmations sont répétées en surabondance. Bien d’autres, en revanche, restent trop allusives, laissant sur sa faim le lecteur étranger. Par ailleurs, il s’agit d’un ouvrage de combat, très agressif
contre « l’historiographie officieuse », contre « la phalange de la corporation ». Sous ces fortes réserves, on peut apprécier une collecte intéressante de citations, extraites en particulier des correspondances entre universitaires, accessibles aux Archives fédérales dans leurs fonds individuels (Nachlässe).

Le morceau de résistance est consacré à un document projeté au cœur du débat, le Journal de Kurt Riezler. Cet intellectuel fut à la veille de la Grande Guerre le confident journalier du chancelier Bethmann-Hollweg et nota fidèlement les réflexions de celui-ci. Il enseigna ensuite en Université, émigra aux États-Unis sous le nazisme, car sa femme était
juive, et revint en Europe après 1945. Le président fédéral Theodor Heuss, qui avait été son camarade d’études, estimait fort « son esprit pénétrant, avec tous les traits bouffons qu’il cultivait d’autre part ». Kurt Riezler conservait ses carnets manuscrits, en hésitant à les publier. Après sa mort à Munich en 1955, sa famille les confia au Pr Karl Dietrich Erdmann, de Kiel, qui les édita en 1972. Bethmann-Hollweg, responsable lucide, quoique hésitant sous les pressions qu’il subit, y apparaît certes comme un haut fonctionnaire dévoué à son empereur, comme un patriote attaché à la grandeur de l’Allemagne, mais non comme le champion de l’impérialisme brossé par Fritz Fischer. Ce document est précieux, car les papiers personnels du chancelier ont été détruits avec son château de Hohenfinow. Cependant,
il y manque le carnet XXX (fin juillet 1914), qui a disparu dans des conditions mystérieuses. Or des initiés, qui l’avaient vu du vivant de Riezler, ont affirmé qu’il contenait au moment décisif « des déclarations belliqueuses » (kriegslustige Ausseerungen), surtout vis-à-vis de la Russie (p. 67). Gerhard Ritter, le grand spécialiste, mis au courant, a sursauté et s’est interrogé sur « ce sombre secret », sur ce « secret d’État » (p. 67-10).

Cela conduit Bernd Schulte à dénoncer sans ambages une « falsification », visant à forger une arme contre Fischer. Pour lui, les historiens les plus en vue ont constitué une coalition antirévisionniste, afin de sauvegarder l’honneur de l’Allemagne éternelle. Les plus âgés avaient combattu pour leur patrie pendant la Première Guerre mondiale ; les plus jeunes, pendant la Seconde. Ils ont réagi parallèlement, à un moment où la nouvelle Allemagne démocratique ne voulait pas se voir imputer un penchant séculaire à l’impérialisme conquérant.

À la manière du journalisme d’investigation, l’auteur passe en revue « les historiens dans l’ombre », ces maîtres qui dominent la corporation. Dans des notices minutieuses, plutôt malveillantes, il se plaît à rappeler les convictions nationalistes de leurs débuts et leurs gestes d’adhésion au IIIe Reich à ses débuts, même s’il reconnaît qu’ils ont
pris plus tard leurs distances, puis il cerne l’influence de chacun dans le monde de la recherche historique. Gerhard Ritter, de Fribourg, le plus respecté, fut certes arrêté par les nazis comme ami du résistant Carl Goerdeler, mais sa biographie de Frédéric II n’était pas dépourvue d’accents nationalistes. Hans Herzfeld, de Berlin, officier décoré, a été loué pour « ses convictions nationales », avant d’être privé de sa chaire parce que « seulement arien à 98 % » ; il s’est
abrité aux Archives. Theodor Schieder, de Cologne, occupe une position clé : la direction de la revue Historische Zeitschrift. S’il y accueille en 1959 un article de Fritz Fischer, il sollicite pour le contredire en 1962 une réplique étoffée de Gerhard Ritter qui déplore « la tendance à la mode de nos jours » : « L’autodénigrement de la représentation de l’histoire allemande qui a remplacé depuis 1945 l’autoglorification antérieure et qui semble l’emporter de manière
toujours plus unilatérale ». Karl Dietrich Erdmann, de Kiel, préside le Comité des historiens allemands et pour certains projets il bénéficie d’une subvention importante du gouvernement Kohl. L’inspection critique n’épargne pas Fritz Fischer lui-même, ni Hans Rothfels, de Tübingen, au destin complexe : mutilé au front en 1914, admirateur du Drang nach
Osten, avant d’émigrer en Amérique en 1939, il a déconseillé à son ami Riezler la publication de ses Carnets.

D’autres études, conçues dans le même esprit, jettent des coups de projecteur sur des thèmes voisins. Sur le plan Schlieffen, longtemps mythique malgré son échec, il n’est guère fait référence à la critique militaire et diplomatique de Gerhard Ritter (accessible au lecteur français dans la Revue d’histoire moderne et contemporaine, 1960). En revanche, l’attention se concentre sur l’insertion du maréchal dans le IIe Reich. Un historien de l’ex-RDA, Helmut Otto, admet que, « au point de vue politique, celui-ci ne montrait pas un profil accusé », mais le qualifie de « représentant du militarisme moderne, junker-bourgeois » (sic). S’il resta en fonctions pendant quinze ans, il semblait à son rival Colmar von der Goltz « un uhlan endormi », et, par déférence monarchiste, il laissait Guillaume II conduire des charges de cavalerie
illusoires, lors des grandes manœuvres qu’évoque une note très vivante. Bernd Schulte examine aussi la signification, vivement contestée entre spécialistes, du « Conseil de la Couronne » tenu le 6 décembre 1912, qui mit en route une nouvelle loi de recrutement. Helmut Otto montre comment, sous Weimar, les généraux ont contrôlé l’historiographie de la Grande Guerre au Reichsarchiv. Et Wolfram Wette évalue l’histoire militaire comme « une coalition impie entre historiens et militaires », attachés à la sauvegarde du prestige national.

Le recueil contient aussi, à titre de comparaison, un examen des débats entre historiens australiens sur la genèse de la participation des ANZAC à la défense de l’Empire britannique. Et il s’achève, de manière inattendue, par des interviews d’experts ouest-allemands et de généraux est-allemands sur l’armée irakienne pendant la guerre du Golfe. Bernd
Schulte s’en explique, en rapprochant les deux époques : « L’Allemagne se trouvait, il y a cent ans, dans une situation comparable à celle d’aujourd’hui. » Il éclaire la signification de son titre : « Il s’agit pour les Allemands, sur la route de l’Europe, en faisant alliance avec la France, l’Italie, l’Espagne, la Hollande et la Grande-Bretagne, d’acquérir, par la porte de derrière pour ainsi dire, du moins le statut reconnu d’une puissance mondiale. » Ce jugement sommaire et
polémique sera certainement contesté.

Pierre BARRAL


Vgl. www.forumfilm-blog.de